Presseartikel 01-2013

In der aktuellen Ausgabe des ruhrZeit Magazins spricht Herr Deilmann mit der Chefredakteurin der ruhrZeit, Frau Karin Freislederer, über seine Arbeit als selbständiger Unternehmensberater.

Verstehen, wie Mittelstand funktioniert

Dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. zufolge existieren in Deutschland rund 14.100 Gesellschaften als Unternehmensberatungen. Immer mehr Unternehmen nutzen aufgrund wachsender Anforderungen das Angebot der externen Beratung und Dienstleistung. Die klassischen Felder der Unternehmensberatung sind die Organisations- und Prozessberatung, gefolgt von der Strategieberatung. Die Redaktion der ruhrZeit sprach mit Axel Deilmann von Deilmann Business Consulting in Essen-Kettwig über Chancen und Möglichkeiten der Unternehmensberatung.

Herr Deilmann, der Begriff Unternehmensberater ist, anders als beispielsweise in Österreich, kein geschützter Begriff. Wie finde ich für mein Unternehmen den passenden Unternehmensberater?

Die Frage ist angesichts der Vielzahl an unterschiedlichen Leistungen, die Unternehmensberater anbieten, durchaus angebracht. Die klassische Unternehmensberatung fokussiert sich etwas verallgemeinert ausgedrückt auf Strategie, Organisation, Führung, Logistik, Personal, Vertrieb und Marketing von Unternehmen. Wichtig ist meiner Ansicht nach, stets die Erwartungen, Ziele und Grundlagen des zu beratenden Unternehmens im Auge zu haben. Basierend auf einer ausführlichen Analyse, werden im Rahmen einer anschließenden Konzeption Maßnahmen mit den Kunden gemeinsam erarbeitet, die anschließend umgesetzt werden. Dies kann entweder vom Kunden eigenständig durchgeführt werden, oder wir begleiten den Mandanten in der interimistischen Umsetzung. Im ersten Schritt ist ein persönliches Gespräch sicherlich die beste Basis, um ein Gespür für einander zu entwickeln und das Unternehmen kennenzulernen – das gilt für alle Unternehmenstypen, egal ob Existenzgründer oder gestandener Unternehmer. Trotz moderner neuer Medien ist der persönliche Kontakt zum Kunden zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Beratung und das Gelingen eines Projektes.

Haben Sie ein Spezialgebiet, auf dem Sie zuhause sind?

Dank meiner breitgefächerten Ausbildung als Betriebswirt und meiner langjährigen beruflichen Praxis im In- und Ausland, überwiegend in mittelständischen Unternehmen aber auch in internationalen Konzernen, habe ich den Vorteil, dass ich sowohl den Mittelstand als auch Konzernstrukturen sehr gut kenne. Als ich mich 2011 selbstständig gemacht habe, absolvierte ich zudem eine Ausbildung zum Fördermittelberater. Dank entsprechender Referenzprojekte bin ich z.B. bei der KfW und anderen Förderinstitutionen wie G.I.B., RKW, Bafa, BPW etc. zugelassen. Die Internationalisierung von Unternehmen z.B. ist ein unglaublich spannendes Feld, in dem sich viel bewegen lässt und in dem ich mich gut auskenne. Die Europäische Union hält diverse Förderprogramme vor, die für Unternehmen verschiedenster Branchen geeignet sind. Dabei werden z.B. Investitionen in den folgenden Bereichen gefördert: Produktion, F&E, Internationalisierung, Umwelt & Energie aber ebenso das Schaffen neuer, oder der Erhalt bestehender Arbeitsplätze.

Das ist ein weites Feld. Wie behält man den Durchblick?

Man muss, ganz egal, ob bei Förderungen durch die KfW, die Bürgschaftsbanken der Länder oder eben Förderungen durch die EU, alle aktuellen politischen Entwicklungen im Blick haben. Um ein Beispiel zu nennen: die Regionalförderung der EU. Sie betrifft die Osterweiterung, Ostdeutschland hat davon sehr stark profitiert, aber auch in Teilen das Ruhrgebiet. Die regionale Standortförderung kann z.B. beim Erwerb von Grundstücken, der Erweiterung von bestehenden Standorten und daraus resultierenden Folgeinvestitionen in Frage kommen. Was viele nicht wissen: Ende 2013 geht die derzeitige Förderperiode zu Ende. Der Haushalt für die kommenden sieben Jahre ist noch nicht endgültig verabschiedet. Fest steht, dass für die neue Förderperiode von 2014-2020 der Haushalt geringer ausfallen wird als für die aktuelle Förderperiode. Hinzu kommt, dass ab 2014 die EU um ein weiteres Mitgliedsland wächst, denn Kroatien tritt der EU bei. Zudem bedeuten die aktuellen volkswirtschaftlichen Krisen, insbesondere in Südeuropa, dass die Geberländer, zu denen auch Deutschland gehört, tendenziell weniger Fördergelder bekommen werden. Daher empfehle ich den Unternehmern, jetzt noch Anträge zu stellen, damit ihre konkreten Vorhaben auch bei späterer Realisation noch von den derzeitigen guten Förderkonditionen profitieren.

Sind staatliche Zuschüsse das Mittel der Wahl?

Sie sind nur ein Element im Rahmen der gesamten Finanzierung. Natürlich fragt jeder Unternehmer zunächst nach Zuschüssen, das ist auch legitim. Zuschüsse bilden aber nur einen Baustein öffentlicher Förderungen. Förderungen sind wesentlich vielschichtiger. Es gibt noch viele weitere Optionen. Etwa öffentliche Beteiligungsgesellschaften der Landesbanken, mit denen man das Eigenkapital stärken kann, ohne befürchten zu müssen, dass eine aktive Einflussnahme erfolgt. Es handelt sich hier um stille Beteiligungen unter 25 %, bei denen es keine Sperrminorität gibt. Der Vorteil liegt bei beiden Seiten: Mit derzeit 8-12 % ist einerseits die Verzinsung für die Beteiligungsgesellschaft gut, andererseits profitiert das entsprechende Unternehmen von einer Eigenkapitalstärkung und begibt sich in ruhigeres Fahrwasser. Kurzum, es verbessert sein Eigenkapitalranking und kann sich wieder dem eigentlichen Unternehmenszweck widmen. Die Kunst des Unternehmensberaters besteht darin, die verschiedenen Instrumente zielgerichtet und optimal einzusetzen. Diese Herausforderung ist es, die mir an meinem Beruf so gefällt.

Welche Entwicklung für Unternehmen wünschen Sie sich für Nordrhein-Westfalen?

In der Vernetzung zwischen den IHK’s, der Wirtschaftsförderung, den Banken und den Unternehmen steckt noch viel Luft nach oben. Es wird künftig immer weniger große Arbeitgeber, dafür jedoch eine steigende Anzahl mittelständischer Unternehmen geben. Für sie wünsche ich mir eine starke regionale Wirtschaftsförderung. Auch die Rekultivierung alter Industriestandorte für Unternehmen muss schneller vorangehen. Ich habe in Baden-Württemberg eine vorbildliche und proaktive Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Kammern, Banken und Unternehmen erlebt. Daran sollten wir uns in NRW ein Beispiel nehmen.